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OSTERN ---> Auf(er)stehen kann nur, wer zuvor gefallen ist . . .

30. MĂ€rz, 2024 um 7:37 Uhr, 2 Kommentare


Egal, wie der Leser und die Leserin zu christlich-religiösen Festen stehen mag --- ob er oder sie dieses Triduum (GrĂŒndonnerstag, Karfreitag; Ostern) als biblisch und/oder historisch begrĂŒndet oder als kirchlich/traditionell verordnete sieht: Ostern hat – vor allem in seinem ursprĂŒnglichen aber auch aktuellen Kontext – eine unglaubliche Brisanz und auch persönliche Bedeutung - wie gesagt, gleich, ob wir uns Christ/in, Jude, JĂŒdin, Moslem, Muslima, Agnostiker/in, Atheist/in, Buddhist/in oder Hinduist/in nennen. Denn die Sprache der Bibel ist nicht nur eine universelle und Nationen ĂŒbergreifende, sondern auch eine solche, die nur von der menschlichen Seele verstanden wird. Psychologen haben herausgefunden: Es ist ein und dieselbe Sprache, die in unseren nĂ€chtlichen TrĂ€umen benutzt wird. Da lĂ€sst uns auch Siegmund Freud grĂŒĂŸen. 

In der Tat scheint es gerade unter den Christen der verschiedenen Konfessionen und der zigtausenden Denominationen (weltweit ĂŒber 10.000) so zu sein, dass sie zwar das Osterfest feierlich begehen, allerdings nur in Erinnerung eines Mannes, der vor etwa 2.000 Jahren gelebt hat und gestorben ist, um dann „von den Toten aufzuerstehen.“ Mit ihrem ganz persönlichen Leben aber hat das „Ostern feiern“ offensichtlich meist ĂŒberhaupt nichts zu tun. 

Denn Ostern authentisch feiern, oder besser: nachempfinden, kann nur der und die, welche/r auch den zu vorigen Karfreitag mit seinem Geschehen akzeptiert, generell und ganz persönlich annĂ€hernd erlebt hat. Mit anderen Worten – und damit in unseren Alltag ĂŒbertragen: Aufstehen kann nur, wer zuvor gefallen ist; feiern und ermessen, was wirklich eine Feier ist, kann nur, wer die Erfahrung einer Niederlage, eines Verrates, einer "Verhöhnung"/Verleumdung erlebt und gemacht hat. Kurz: Ostern ohne den zu vorigen Karfreitag (Kar = Kummer) gibt es nicht wirklich, sondern ist nur ein Datum, wo man/frau frei hat. Andersherum: Vor jedem wirklichen "Ostern" muss ein "Karfreitag" liegen.

Der Leser und die Leserin merken schon, das hat mit der Zugehörigkeit zu einer Religion, oder einer bestimmten Glaubensrichtung primĂ€r rein gar nichts zu tun. Und als Humanist ist mir das sehr wichtig, zu unterstreichen. Denn wir alle, gleich welcher PrĂ€gung und Abstammung, haben ein Leben zu bewĂ€ltigen, dass uns nicht den „Rosengarten“ verspricht. Ein altes und arabisches Sprichwort sagt: „Da, wo immer die Sonne scheint, entsteht eine WĂŒste.“ Die Araber (Muslime!) mĂŒssen es wissen. Aber auch diejenigen, die in zuvor fruchtbaren Gegenden leben durften und durch die Klimaverschiebungen und –VerĂ€nderungen, nun das ausgedörrte Land (Sahel) verlassen mĂŒssen, weil der Regen ausbleibt und stattdessen die Glut der Sonne regiert. Den Wert einer Oase ermessen wird nur der, der zuvor wochenlang durch die WĂŒste wandern musste, um diesen köstlichen Ort zu erreichen.

Es gibt genĂŒgend Fromme in unserem Land, auf unserem Kontinent und vor allem der westlichen Welt, die sehr gerne ihren persönlichen „Karfreitag“ umgehen, oder ihn umgehen wollen, um ihre tĂ€gliche „Auferstehung“ feiern (lassen) zu können. Und das geschieht tatsĂ€chlich tagtĂ€glich. Doch auch hier gilt: Ohne Karfreitag kein Ostern. Nur mit dem Unterschied, dass fĂŒr die Einen immer „Karfreitag“ ist, wĂ€hrend die anderen tĂ€glich im Ostern verharren, so als sei das „normal“ und selbstverstĂ€ndlich und auch noch selbst verdient.

Im christlichen Kirchenspektrum gibt es sogar eine "Sparte", in der jeden Tag und jeden Sonntag im Gottesdienst Ostern gefeiert wird und gefeiert werden muss. Es gilt: Wenn du reich bist, immer gesund bist, immer Erfolg hast, immer den Sieg auf deiner Seite hast, dann ist das ein Zeichen dafĂŒr, dass du "Gott gefĂ€llig" lebst. Andersherum. Bist du krank, arbeitslos, unglĂŒcklich und stolperst von Niederlage zu Niederlage, dann bist du ein sĂŒndiger und "Gott ferner" Mensch. Das habe ich nicht irgendwo recherchiert oder gelesen, sondern selbst mit meiner jungen Familie erleben mĂŒssen (passiv). Drei ganz Jahre als Pastoralreferent im tiefen AllgĂ€u. Dir wird dir der Himmel versprochen - und es ist doch mehr die Hölle, die du erlebst. Ich rede hier von den so genannten Charismatikern, die vor allem im sĂŒddeutschen Raum vertreten sind. Der persönliche Karfreitag darf da nicht vorkommen. 

Wenn ich vom "Karfreitag" spreche, dann rede ich auch von der Ungerechtigkeit, der ungerechten Verteilung von GĂŒtern und Begabungen in dieser Welt, und bleibe dabei aber nicht bei dem MonetĂ€ren, dem Materiellen stehen, deren Verteilung oft Menschen gemacht ist. Ungerechte Verteilung gibt es auch in Sachen Gesundheit, Herkunft, Aussehen, Bildung usw., die von uns selbst schwer beeinflussbar sind. Ich will es mal ĂŒberspitzt sagen: Da ist auf der einen Seite der gutaussehende, krĂ€ftige, große und gesunde junge Mann aus reichem und angesehenem Elternhaus, mit Abitur und Medizinstudium und der Gewissheit, eines Tages drei Millionen Euro zu erben. Und auf der anderen Seite der kleine, unansehnliche, schmĂ€chtige und krĂ€nkelnde Junge aus wirtschaftlich schwachem Elternhaus, der gerade die Hauptschule geschafft hat und sofort arbeiten gehen muss, weil der Vater ihn nicht weiter unterhalten kann und die Mutter drei jĂŒngere Geschwister versorgen muss.

NatĂŒrlich ist auch manche Misere „selbst verschuldet“. Obwohl man/frau da sehr genau hinschauen muss. Denn so sieht es jedenfalls oft oberflĂ€chlich gesehen aus. Wenn mensch sich aber genauer mit den in die Misere geratenen Mitmenschen beschĂ€ftigt (sich also zumindest diesen kleinen „Karfreitag“ zumutet), sieht es meist doch anders aus. Jedem von uns hĂ€tte so etwas passieren können, wenn . . . Ja, wenn was?

Es gibt in dieser Welt keine Gerechtigkeit, jedenfalls nicht so lange, wie es Menschen gibt. Nehmen wir einmal an, dass jede/r in einer Gruppe von 100 Menschen heute die gleiche Summe Geld, das gleiche Haus, den gleichen Beruf und den gleichen Gesundheitszustand bekĂ€me und hĂ€tte, dann wĂŒrde dies in genau einem Jahr oder noch frĂŒher, nicht mehr so sein. Denn trotz der Gleichheit = Gerechtigkeit (?), sind Neid, MachtgelĂŒste und MachtansprĂŒche (Alphatiere), Faulheit und Egoismus und Schicksal nicht verschwunden. Was uns zu dem Schluss kommen lassen mĂŒsste, das wahre Gerechtigkeit eben nichts mit Gleichheit = EgalitĂ€t zu tun hat.

Und in der Tat gibt es noch eine andere, als diese altgriechische und rational-vernĂŒnftige (Renaissance) Definition von Gerechtigkeit (Gerechtigkeit des Staates). Im althebrĂ€ischen Denken, also im VerstĂ€ndnis des jĂŒdischen Talmudes (Altes Testament), bedeutet „Gerechtigkeit“ nicht ‚jeder erhĂ€lt das Gleiche’, sondern "jeder bekommt, was er benötigt, um ein lebenswertes Leben fĂŒhren zu können". Das hört sich schon ganz anders an. Und natĂŒrlich gerade auch im Kontext der aktuellen Geschehnisse im "Nahen Osten", dem Land des Ursprungs von Karfreitag und Ostern. Es wĂŒrde ja schon reichen, wenn wir Menschen diese Art von Gerechtigkeit zumindest anstrebten. Nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

Wenn ich ĂŒber den historischen Mann Jesus, der nachweislich tatsĂ€chlich einst gelebt hat (siehe z. B. die Historiker Josephus und Tacitus) nachdenke (und nicht ĂŒber den versĂŒsslichten und blondlockigen Knaben Jesus, zu dem die Arier-Kirche(n) ihn gemacht hat/haben) – und damit komme ich auf die Konstellation „Ostern versus Karfreitag“ zurĂŒck –, dann will uns die Geschichte (hier = Historie) zeigen, dass am Ende jemand anderes das letzte Wort ĂŒber uns sprechen wird, als der Staat, als der Mob, als ein Gericht, als die Nachbarn, die Stadt- und/oder Kirchgemeinde, wenn wir nur unsererseits so leben und handeln, dass es in unserem Umfeld einigermaßen „gerecht“ im Sinne von „Weg und Ziel“ zugeht.

Allerdings bedeutet das auch heute noch, dass wir uns dabei – wie einst der Zimmermann aus Nazareth - mit den religiös und politisch Herrschenden anlegen, indem wir uns einerseits um die von Ihnen VernachlĂ€ssigten, Benachteiligten und an den Rand GedrĂ€ngten kĂŒmmern und unseren Finger helfend nicht nur in ihre (tatsĂ€chlichen) Wunden legen, sondern auch in die „Wunden unserer egozentrischen Gesellschaft.“ Das kann auch fĂŒr uns am „Kreuz“ enden.  Ja, dem Worte Jesu zufolge, muss es gar am Kreuz enden, denn genau das (und nichts anderes) meinte Joshua Ben Joseph, als er sagte: „Ein jeder nehme sein Kreuz auf sich und folge mir (bis ans Kreuz) nach.“ KREUZ meint hier nicht unbedingt physischer Tod, aber doch geht es in die Richtung: mundtot machen, diskreditieren, verleumden, ĂŒble Nachrede - bis hin zum Suizid (wie es vermutlich in Friedrichshafen geschehen ist).

Und wie gesagt: Dazu muss man/frau kein Katholik, Evangele, Baptist, Methodist oder Agnostiker sein, Buddhist, Hindu oder gar ein "schlimmer" - Atheist sein. Es reicht ganz einfach „Mensch“ zu sein, der in jedem Mitmenschen seinen Bruder und seine Schwester sieht und ihn/sie nicht am „Wegesrand“ (Bahnhof, Parkbank, Stadtgrenze ...) liegen lĂ€sst nach dem Motto: Der hat doch selbst schuld, ich kann mich nicht um jeden kĂŒmmern, was geht mich das an, ich muss in den Tempel, um zu "beten" 


Sie wissen, woher diese Sequenz stammt? Nein? Dann will ich daran erinnern, dass sie aus der Geschichte vom "barmherzigen Samariter" stammt. Jenem Samariter, der heute von neudeutschen Egoisten und Fremdenhassern auch verÀchtlich "Gutmensch" genannt wird. In dieser Geschichte (Neues Testament) geht ein Tempeldiener auf dem Weg nach Jerusalem an einem am Wege liegenden Verletzten mit genau dieser Einstellung - wie oben beschreiben - vorbei. Nur der Samariter, ein im damaligen Israel ungeliebter und gehasster Zeitgenosse aus dem Norden des Landes, blieb stehen und versorgte den "unter die RÀuber Gefallenen", ohne zuvor zu selektieren und zu sondieren und womöglich zu triagieren.

Er half einfach, weil es ein Mitmensch war, dessen Leben auf dem Spiel stand. In der Glut der palĂ€stinischen Sonne, wĂ€re er eine Stunde spĂ€ter tot gewesen. Der andere, ein Priester, aber eilte am UnglĂŒck vorbei und dachte nur ein seine PflichterfĂŒllung: Im Tempel beten, um Gott wohl zu gefallen, wĂ€hrend der von ihm im Stich gelassene im Sterben liegt.

2 Kommentare - OSTERN ---> Auf(er)stehen kann nur, wer zuvor gefallen ist . . .

NĂ€gele Josef - 30. MĂ€rz, 2024 um 18:42 Uhr
GrĂŒĂŸe Sie Herr Weinert,

danke fĂŒr die Karfreitags- und Ostergedanken. Eine bessere "Predigt" erwarte ich in der Kirche nicht und werde ihr fernbleiben. DafĂŒr wĂŒrde ich gerne Ihre Betrachtungen in der Warnglocke veröffentlichen. NatĂŒrlich mit Nennung des "Schöpfers" - OK?

Mit österlichen GrĂŒĂŸen
Josef NĂ€gele
Stefan Weinert - 31. MĂ€rz, 2024 um 11:02 Uhr
Lieber Herr NĂ€gele, ja klar - und Ihnen und Familie ein gutes Osterfest 2024!

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