Samuel Bosch đ© Banner gegen bayerische Rechtsprechung - Wie ein verunglĂŒcktes GemĂ€lde im goldenen Rahmen der bayerischen Unantastbarkeit.

Foto: Klimacamp Augsburg (Bayern); Banner beim Jugendarrest in Göppingen
Blogger "Servus Ravensburg": WĂ€re das Adjektiv "frech" - geĂ€uĂert, ob nun verbal oder schriftlich - gegenĂŒber einem gemeinen Mitmenschen und vor allem gegenĂŒber Respektpersonen sogenannten national und international eine Straftat, die dazu fĂŒhrt, dass man/frau/? hinter Gitter muss, dann wĂ€re Jan Böhmermann Staatsfeind Nummer eins und die BRD hĂ€tte ihn womöglich lĂ€ngst in die TĂŒrkei ausgeliefert. Aber er sendet im öffentlich (!!) rechtlichen (!!!!) Fernsehen weiter und weiter.
Der junge und coole KlimaschĂŒtzer Samuel Bosch, der gebĂŒrtig aus dem Landkreis Ravensburg in Baden-WĂŒrttemberg stammt, und sowohl in der Oberschwabenmetropole Ravensburg, als auch im gesamten Bundesgebiet bis auf das "Brandenburger Tor" BĂ€ume und GebĂ€ude erobert, um gegen die KlimasĂŒnden zu protestieren, wurde nun wegen dieses kleinen Adjektivs "frech" zu drei Wochen Jugendarrest verdonnert, dem er sich aber verweigert - jedenfalls erst einmal.
Wenn nun der Rechtsanwalt von "Klima-Sam" meint: "Aus wĂŒrttembergischer
Sicht ist das Urteil definitiv ĂŒberzogen", dann sollte der/die deutsche BĂŒrger/in angesichts dessen eigentlich hinzufĂŒgen "... und kriminalisiert denjenigen, der eben nicht in gröĂter Ăffentlichkeit Heiterkeit erzeugt, sondern angesichts des Ernstes unserer Zeit, ein mutiges Mitglied der Climate-Community ist."
Und wenn der Wortkundige genau hinschaut, dann hat Samuel Bosch sogar recht. Denn das kleine Wort "frech" ist nicht nur negativ konnotiert, sondern kann auch "positiv, auffĂ€llig aus dem Rahmen fallend" bedeuten. Denn in der Tat: Das bayerische Urteil fĂ€llt wie ein verunglĂŒcktes GemĂ€lde aus dem goldenen Rahmen der bayerischen Unantastbarkeit.
Pressemitteilung des Klima-Camps vom 19.03.2024
(hier bei "Servus Ravensburg" AuszĂŒge)
Eine Gruppe Umweltaktivist*innen protestierte am frĂŒhen Dienstagmorgen
mit einer gewitzten Kletteraktion hinter der Jugendarrestanstalt
Göppingen gegen die Verurteilung von UmweltschĂŒtzer und Stahlgegner
Samuel Bosch und die klimaschÀdliche Stahlproduktion.
"KlimaschĂŒtzen ist kein Verbrechen" und "Lohwald-Rodung genehmigen trotz
laufender Gerichtsverfahren? Frech!" ist nun auf zwei gespannten Bannern
zwischen den BĂ€umen des Schlossparks zu lesen.
Dabei ist das eine Banner identisch zu dem, welches die Augsburger
Jugendrichter*innen im vergangenen Jahr fĂŒr ĂŒble Nachrede hielten, als
sie Samuel Bosch zu drei Wochen Jugendarrest verurteilten [1].
Der im sĂŒddeutschen Raum bekannte UmweltschĂŒtzer, der eigentlich am vergangenen Donnerstag seine Haftstrafe hĂ€tte antreten sollen, bekennt sich dazu, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein ... und
erklÀrt: "Wir sind uns sicher, dass es legitim ist, die Bannwaldrodung
als "frech" zu benennen und die Ăffentlichkeit ĂŒber die klimaschĂ€dlichen
Machenschaften von Max Aicher zu informieren. Es muss weiterhin möglich
sein, Politiker*innen zu kritisieren." In Richtung der Jugendarrestanstalt senden die Aktivist*innen eine SolidaritĂ€tsbotschaft an die Gefangen: "Ihr seid nicht allein" steht auf der RĂŒckseite der beiden angebrachten Banner.
Bosch entzieht sich Haft
Samuel Bosch entschied sich vergangenen Donnerstag, seiner Haftvorladung
vorerst nicht nachzukommen. "Ich habe einen eigenen Terminplan und
möchte weiter meinem politischen Engagement nachkommen. ", erklÀrte
Bosch. "Wie normalerweise auch, versuche ich mit Menschen ĂŒber soziale
und klimagerechte Transformation ins GesprÀch zu kommen, deshalb nahm
ich an einem öffentlichen Podium teil und fĂŒhrte Interessierte am
vergangenen Sonntag im Rahmen des wöchentlichen Waldrundgangs durch die Besetzung im Altdorfer Wald."
Bei der Podiumsdiskussion am Ulmer Theater war es Bosch trotz
PolizeiĂŒberwachung vor dem GebĂ€ude gelungen, sich unbemerkt zu
entfernen. Auch im Altdorfer Wald konnte die Polizei ihn trotz deutlich
erhöhter PrÀsenz bisher nicht festsetzen. Wann Samuel Bosch nun tatsÀchlich seine drei Wochen Jugendarrest antreten wird, ist derzeit noch unklar.
Protest in Demokratie unerwĂŒnscht?
Die Menschrechtsorganisation Amnesty International kritisierte
Deutschland im vergangenen Jahr fĂŒr einen unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen und
einschĂŒchternden Umgang mit Klimaaktivismus [2]. In Deutschland wĂŒrden
Proteste von staatlichen Behörden mitunter als âBedrohung der
öffentlichen Ordnung und Sicherheitâ wahrgenommen, [...] anstatt sie als
Kernelement eines lebendigen gesellschaftlichen Diskurses zu ermöglichen
und zu schĂŒtzen, sagte Paula Zimmermann, Expertin fĂŒr Meinungs- und
Versammlungsfreiheit bei Amnesty International in Deutschland.
Boschs Mitstreiter*innen kritisieren auch, dass dadurch Menschen von
ihrem Engagement fĂŒr die Lebensgrundlagen abgebracht werden könnten:
"Die Justiz sendet damit ein völlig verdrehtes Signal in unsere
Gesellschaft: Es sind vielmehr die Stahl-, Zement- und Autohersteller,
die gigantischen Verbrechen an der Zukunft unserer Kinder und an den
aktuellen Lebensgrundlagen der Menschen im globalen SĂŒden begehen",
erklĂ€rt Sina Wagner (24), eine UnterstĂŒtzerin der Aktivist*innen.
Das fragliche Banner in Göppingen nun erneut zu platzieren, ist laut den
Aktivist*innen voraussichtlich weniger problematisch. Zu dem Augsburger
Landgerichtsprozess sagte Anwalt Klaus Schulz: âAus wĂŒrttembergischer
Sicht ist das Urteil definitiv ĂŒberzogen â in Bayern sind die drauf
wie's Messer. Samuel und Charlie sind kaum vorbestraft und trotzdem
wurde fast die Höchststrafe verhĂ€ngt. Ich schĂ€tze, das ist im StrafmaĂ
fast Faktor drei im VerhĂ€ltnis zu Baden-WĂŒrttembergâ. Dazu passen auch
die Ergebnisse einer Studie von Volker Grundies, wonach Gerichte in
Bayern (vor allem Augsburg und MĂŒnchen) zu deutlich höheren StrafmaĂen
greifen [3] .
...
QUELLEN:
[1]
https://www.augsburger-allgeme
[2]
https://netzpolitik.org/2023/i
[3]
https://www.spiegel.de/panoram
[4]
https://www.augsburger-allgeme
[5]
https://www.augsburger-allgeme